Pflegegrad nach Schlaganfall: Einstufung, Antrag und erste Schritte
Nach dem Schlaganfall: Welcher Pflegegrad ist realistisch, warum Sie den Antrag schon aus der Reha stellen sollten und wie es nach der Klinik weitergeht.
Ein Schlaganfall verändert das Leben einer Familie von einem Tag auf den anderen — und anders als bei schleichenden Erkrankungen muss die Pflege sofort organisiert werden. Dieser Ratgeber erklärt, welcher Pflegegrad nach einem Schlaganfall realistisch ist, warum der Antrag am besten noch aus Klinik oder Reha gestellt wird und wie die Versorgung zu Hause anläuft.
Welcher Pflegegrad ist nach einem Schlaganfall realistisch?
Es gibt keinen festen Pflegegrad „für Schlaganfall". Der Medizinische Dienst bewertet die verbliebene Selbstständigkeit in sechs Modulen. Als Orientierung aus der Praxis:
| Folgen des Schlaganfalls | Häufiger Pflegegrad |
|---|---|
| Leichte Restsymptome, Alltag weitgehend selbstständig | PG 1–2 |
| Halbseitenschwäche, Hilfe bei Waschen/Anziehen nötig | PG 2–3 |
| Halbseitenlähmung, Aphasie, Transfer nur mit Hilfe | PG 3–4 |
| Schwerste Lähmung, Schluckstörung, ständige Betreuung | PG 4–5 |
Bei Aphasie (Sprachstörung) und kognitiven Folgen zählen zusätzlich die Module Kognition und Kommunikation — sie werden häufig unterschätzt und sollten in der Begutachtung explizit zur Sprache kommen.
Den Antrag noch aus der Klinik oder Reha stellen
Leistungen der Pflegekasse gibt es erst ab Antragstellung — nicht rückwirkend ab dem Schlaganfall. Stellen Sie den Antrag deshalb so früh wie möglich, am besten noch während des Klinik- oder Reha-Aufenthalts. Der Sozialdienst der Klinik unterstützt dabei und organisiert auf Wunsch auch die Anschlussversorgung.
Bei eiligen Fällen kann die Begutachtung im Krankenhaus beschleunigt erfolgen, damit die Versorgung nach der Entlassung nahtlos steht.
Wie geht es nach der Reha weiter?
Die drei üblichen Wege nach der Entlassung:
- Zurück nach Hause mit ambulantem Pflegedienst — Grundpflege, Medikamente und Anleitung, kombiniert mit Physio-, Ergo- und Logopädie. Aktivierende Pflege hilft, verlorene Fähigkeiten zurückzugewinnen.
- Kurzzeitpflege als Brücke — wenn es zu Hause noch nicht geht, überbrückt die Kurzzeitpflege die Zeit, bis Wohnung und Versorgung vorbereitet sind.
- Stationäre Pflege — bei schweren bleibenden Einschränkungen, idealerweise in einer Einrichtung mit neurologischem Schwerpunkt.
Welche Anbieter in Ihrer Region aktuell Kapazität gemeldet haben, zeigt die Übersicht freier Pflegeplätze.
Leistungen nach Pflegegrad
Mit dem Pflegegrad stehen je nach Stufe folgende monatliche Leistungen zu:
| Leistung (Monat) | PG 2 | PG 3 | PG 4 | PG 5 |
|---|---|---|---|---|
| Pflegegeld | 347 € | 599 € | 800 € | 990 € |
| Pflegesachleistung | 796 € | 1.497 € | 1.859 € | 2.299 € |
| Vollstationär | 805 € | 1.319 € | 1.855 € | 2.096 € |
| Entlastungsbetrag | 131 € (alle Pflegegrade, auch PG 1) | |||
Beträge gemäß Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG), Stand 2026. Pflegegrad 1 erhält keinen Sachleistungsbetrag, aber Zuschüsse zu Wohnraumanpassung, Pflegehilfsmitteln und Entlastungsbetrag.
Pflegegrad nach Schlaganfall beantragen – Schritt für Schritt
Antrag sofort stellen
Noch aus Klinik oder Reha formlos bei der Pflegekasse: „Ich beantrage Leistungen aus der Pflegeversicherung.“ Leistungen gibt es erst ab Antragsmonat.
Sozialdienst einbinden
Der Klinik-Sozialdienst hilft beim Antrag, bei Hilfsmitteln und bei der Anschlussversorgung (Pflegedienst oder Kurzzeitpflege).
Befunde sammeln
Klinik- und Reha-Berichte, Befunde zu Lähmung, Schluck- und Sprachstörungen sowie den Therapieplan bereitlegen.
Begutachtung wahrnehmen
Konkrete Alltagsbeispiele nennen, Aphasie und kognitive Folgen ansprechen und eine vertraute Person dabei haben.